Donnerstag, 18. September 2014

Würfelwelt 1547

Johann August Apel:
Der Freischütz. Eine Volkssage
Gefunden bei: http://www.goethezeitportal.de/wissen/enzyklopaedie/carl-maria-von-weber/carl-maria-von-weber-freischuetz-illustrationen-von-ramberg.html
Quelle: Gespensterbuch. Hrsg. von Johann August Apel und Friedrich Laun [d.i. Friedrich August Schulze]. Tl. 1. Leipzig : Göschen 1810.

Würfelweltmäßige Bearbeitung von Uwe Vitz

Der Freischütz 7
(Erste Ebene vor 306 Jahren)


Vater Bertram war mit Wilhelm zufrieden, aber dieser ging den ganzen Tag in stiller Verzweiflung umher, und selbst Käthchens Liebkosungen vermochten nicht, ihn aufzuheitern.
Auch am Abend saß er noch ganz stumm und bemerkte kaum, dass der Förster mit Rudolf in ein ziemlich lebhaftes Gespräch geraten war, bis ihn endlich jener aus seiner Betäubung weckte.

“ Das darfst du nun so wenig dulden als ich, Wilhelm “ - rief er dem Träumenden zu -
“ dass jemand unsrem Altvater Kuno solche Dinge nachsagt, wie Rudolf eben. Haben die Engel damals ihm und dem armen unschuldigen Menschen beigestanden, wie wir es in den Schriften vieler Göttergläubiger auf dieser Ebene lesen, so ist dies keine Teufelskunst. Die lass' ich meinem Urvater nicht nachsagen. Er starb sanft und selig auf seinem Bette unter Kindern und Enkeln, aber wer Teufelskünste treibt, mit dem nimmt's niemals ein gutes Ende, wie ich selbst angesehen habe, als ich noch in der Nähe von Zentahr die Jagdkunst gegen allerlei magische Wesen lernte. “

Oh, erzählt doch, wie das war “, rief Rudolf, und die andern stimmten bei.

“ Schlimm genug war es” - fuhr der Förster fort -” es graut mir noch, wenn ich daran denke. Da war damals in Zentahr ein junger Mensch, Georg hieß er, ein verwogener, wilder Bursch, sonst aber brav und flink, der war ein starker Liebhaber von der Jagd, und so oft er konnte, kam er zu uns. Er wär' auch ein tüchtiger Jäger geworden, aber er war zu flüchtig und schoss daher oft neben weg. Einmal, wie wir ihn damit aufzogen, vermaß er sich hoch, er wolle bald besser schießen als alle Jäger und es solle ihm kein Wild entgehen, weder in der Luft noch im Gebüsch. Aber er hielt schlecht Wort. Ein paar Tage drauf pocht uns früh ein unbekannter Jäger heraus, und sagt an, draußen auf der Straße liege ein Mensch halb tot und ohne Hilfe. Wir Burschen machen uns gleich auf und hinaus, da liegt der Georg überall blutig und zerkratzt, als wär' er unter wilden Katzen gewesen, sprechen konnte er nicht, denn er war ganz besinnungslos und gab kaum ein Lebenszeichen von sich. Wir trugen ihn gleich ins Haus, und einer meldet' es in Zentahr, wo er auch bald abgeholt wurde. Da hat er denn vor seinem Ende ausgesagt, dass er mit einem alten Bergjäger habe Zauberpfeile herstellen wollen, die allezeit treffen, und weil er etwas dabei versehen, habe ihn ein Teufel so zugerichtet, dass er's mit seinem Leben bezahlen müsse. “

“ Was hatte er denn versehen “- fragte Wilhelm bebend - “ kann der Fürst des Bösen denn nicht auch Gutes bringen?” “

“ Niemals “ - erwiderte der Förster -” Ich weiß wohl, manche schwatzen davon, dass sie den Fürsten des Bösen mit Geschick überlistet hätten, aber ich bleibe dabei, wer sich mit ihm einlässt ist verloren. “

Wilhelm schöpfte etwas freier Atem.
“ Hat denn der Georg nicht erzählt, was ihn so übel zugerichtet? “fragte er den Förster.

“ Freilich “- antwortete dieser - “vor Gericht hat er's ausgesagt. Er war mit dem Bergjäger auf einen Kreuzweg gegangen; da hatten sie mit einem blutigen Degen einen Kreis gemacht und den mit Totenschädeln und Knochen kreuzweise belegt. Draufhatte der Bergjäger Georg unterrichtet, was er zu tun habe. Der Bergjäger gab Georg dreizehn Sklaven und einen Zaubersamen. Die dreizehn Sklaven sollte Georg dem Fürsten des Bösen opfern und ihr Blut über den schwarzen Samen fließen lassen. Dann sollte ein Schwarzer Baum in der Dunkelheit heranwachsen, dessen Früchte Zauberpfeile seien, diese Pfeile sollte er pflücken. Nicht mehr und nicht weniger als dreizehn, einer über oder unter diese Zahl, wenn die Erste Sonne aufging, so wär' er verloren. Dafür müssten aber auch zehn von seinen Pfeilen unfehlbar treffen, und nicht mehr als drei würden fehlen.
Georg hatte nun den Dolch schon in der Hand um die unglücklichen Sklaven zu ermorden.
Aber im letzten Augenblick schreckte er vor der Untat zurück.
Da verfluchte ihm der Bergjäger und Georg stürzte bewusstlos zu Boden.
Erst in Zenthar ,unter den Händen der Ärzte und dem Zuspruch der Priester, sei er wie aus einem Traum erwacht. “

“ Die Götter mögen jeden Menschen bewahren vor solchen Schlingen des Bösen - “sagte die Försterin .

“ Der Georg war also ein übler Schurke?” - fragte Rudolf weiter.

“ Das will ich nicht grade behaupten “- versetzte der Förster - “denn es heißt: Richtet nicht. Aber das bleibt doch immer ein schwerer Frevel, wenn der Mensch sich in Dinge einlässt, wo der Böse leicht an ihn kommen und ihm an Leib und Seele verderblich werden kann. Der Feind kommt wohl von selbst, ohne dass der Mensch ihn ruft, oder ein Pakt mit ihm schließt. Doch Macht gewinnt er erst über uns, wenn wir uns seiner Dienste bedienen. Ein echter Jäger braucht das auch nicht, du hast es nur erst erprobt, Wilhelm, ein guter Bogen und gute Wissenschaft, da braucht der Jäger keine Zauberpfeile und trifft doch, wohin er soll. Ich möcht' auch um keinen Preis einen solchen Pfeil abschießen, denn der Feind ist ein arger Schalk und könnte mir einmal die Pfeile nach seinem Ziel führen, statt nach dem meinen.”







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Mittwoch, 17. September 2014

Würfelwelt 1546

Johann August Apel:
Der Freischütz. Eine Volkssage
Gefunden bei: http://www.goethezeitportal.de/wissen/enzyklopaedie/carl-maria-von-weber/carl-maria-von-weber-freischuetz-illustrationen-von-ramberg.html
Quelle: Gespensterbuch. Hrsg. von Johann August Apel und Friedrich Laun [d.i. Friedrich August Schulze]. Tl. 1. Leipzig : Göschen 1810.

Würfelweltmäßige Bearbeitung von Uwe Vitz

Der Freischütz 6
(Erste Ebene vor 306 Jahren)


In wenigen Tagen hatte sich Wilhelm an seine Glückspfeile so gewöhnt, dass er in ihrem Gebrauch nichts Bedenkliches mehr ahnte. Er ging täglich durch den Wald in der Hoffnung, dem Stelzfuß wieder zu begegnen, denn sein Pfeilvorrat hatte sich bis auf zwei vermindert, und wollte er seinen Probeschuss mit Sicherheit bestehen, so war die äußerste Sparsamkeit nötig. Er schlug sogar dem alten Förster heute seine Begleitung auf die Jagd aus; denn morgen wurde der Landjägermeister erwartet, und es konnte möglich sein, dass dieser noch außer dem eigentlichen Probeschuss einen Beweis seiner Geschicklichkeit zu sehen verlangte. Allein am Abend kam statt des Jägermeisters ein Bote, der eine starke Wildbretlieferung für den Hof bestellte und die Ankunft seines Herrn auf acht Tage später ansagte.
Wilhelm glaubte zu Boden sinken zu müssen, und sein Erschrecken hätte Verdacht erregt, wären nicht alle geneigt gewesen, es der getäuschten Hoffnung des Bräutigams zuzuschreiben. Er musste nun auf die Jagd und wenigstens einen seiner Pfeile aufopfern. Von den andern, schwur er, solle ihn nichts trennen als der entscheidende Schuss am Verlobungstage.
Der Vater schmollte, als Wilhelm mit einem einzigen Hirsch von der Jagd zurückkam, denn die verlangte Lieferung war beträchtlich. Er zürnte am andern Mittag noch mehr, als Rudolf mit reicher Beute und Wilhelm ganz leer nach Haus kam. Am Abend drohte er, ihn fortzuschicken und die Einwilligung zu seiner Verbindung mit Käthchen zurückzunehmen, wenn er nicht den folgenden Morgen wenigstens noch zwei Rehböcke bringen würde. Käthchen war in der größten Angst und bat ihn bei aller ihrer Liebe, doch ja allen Fleiß anzuwenden und lieber auf der Jagd gar nicht an sie zu denken.
So ging Wilhelm verzweiflungsvoll in den Wald. Käthchen sah er in jedem Fall für sich verloren, es blieb ihm nichts übrig als die traurige Wahl, auf welche Art er sein Glück zerstören wollte.
Indem er, unfähig zu wählen, sich in Betrachtung seines Schicksals verlor, zeigte sich ihm ganz in der Nähe ein Rudel Rehe. Langsam griff er nach seinem Pfeil, er lastete ihm zentnerschwer in der Hand. Schon wollte er ihm in den Köcher zurückstecken, entschlossen, den Schatz zu bewahren, es koste, was es wolle. Da sah er in der Ferne den Stelzfuß auf sich zu kommen; freudig spannte er seinen Pfeil ein , und schoss, und zwei Rehböcke sanken zu Boden. Wilhelm ließ sie stürzen und eilte nach dem Invaliden, aber dieser musste einen andern Weg eingeschlagen haben; er war nicht zu finden.

Dienstag, 16. September 2014

Würfelwelt 1545

Johann August Apel:
Der Freischütz. Eine Volkssage
Gefunden bei: http://www.goethezeitportal.de/wissen/enzyklopaedie/carl-maria-von-weber/carl-maria-von-weber-freischuetz-illustrationen-von-ramberg.html
Quelle: Gespensterbuch. Hrsg. von Johann August Apel und Friedrich Laun [d.i. Friedrich August Schulze]. Tl. 1. Leipzig : Göschen 1810.

Würfelweltmäßige Bearbeitung von Uwe Vitz


Der Freischütz 5
Erste Ebene vor 306 Jahren


Im Försterhause war große Freude, als Wilhelm wieder, wie sonst, mit einem Vorrat Wildbret ankam, und den Vater Bertram durch die Tat überzeugte, dass er noch der vorige brave Schütze sei. Er sollte nun die Ursache erzählen, warum ihn das Unglück bisher so wunderbar verfolgt habe, und was er getan, um sie zu heben; allein, er scheute sich, ohne sich eines bestimmten Grundes bewusst zu werden, von den unfehlbaren Pfeile zu sprechen.

“ Siehst du, Mutter Anne” - sagte nun der Förster lachend - “ wie ich's gesagt habe: Dem Weidmann stehen die Götter bei und der Kobold steckt im Nagel. “

Was ist das mit dem Kobold? - fragte Wilhelm.
“ Nichts” - erwiderte der Alte - “ das Bild fällt heut beim Aufgang der Ersten Sonne, von selbst herunter, und da meint denn Mutter Anne gleich, es spukt. “

“ Heute morgen!” - wiederholte Wilhelm, und der Stelzfuß fiel ihm ein, der um eben diese Zeit von ihm geschieden war.

“ Freilich ist das keine rechte Zeit zum Spuken “ - fuhr der Förster fort, und klopfte Mutter Annen freundlich die Backen. Aber diese schüttelte noch bedenklich den Kopf:

“ Die Götter mögen geben, dass alles natürlich zugegangen ist “,sagte sie bedenklich, und Wilhelm entfärbte sich etwas.
Er beschloss, seine Pfeile beiseite zu legen, und nur zu seinem Probeschuss einen zu gebrauchen, um sein Glück nicht durch die Bosheit eines Feindes zu verscherzen. Allein, der Förster nötigte ihn mit sich auf die Jagd, und wollte er nicht von neuem Misstrauen gegen seine Geschicklichkeit erregen und den Alten erzürnen, so musste er schon einige von seinen Zauberpfeilen dran wagen.

Montag, 15. September 2014

Würfelwelt 1544

Johann August Apel:
Der Freischütz. Eine Volkssage
Quelle: Gespensterbuch. Hrsg. von Johann August Apel und Friedrich Laun [d.i. Friedrich August Schulze]. Tl. 1. Leipzig : Göschen 1810.

würfelweltmäßig bearbeitet von Uwe Vitz

Der Freischütz 4
Erste Ebene vor 306 Jahren




Aber alle Mühe war verloren, das Wild drängte sich um ihn und schien fast ihn zu necken. Zehn Schritte weit schoss er auf einen Rehbock, zweimal versagte ihm der Bogen, das dritte Mal geriet zwar der Schuss, aber das Wild floh unverletzt durch die Büsche. Unmutig warf sich der unglückliche Jäger unter einen Baum und verwünschte sein Schicksal, da rauschte es im Gebüsch, und ein alter Soldat mit einem Stelzfuß hinkte heraus.

“ Holla, lieber Weidmann “- redete er Wilhelm an -“ warum so verdrießlich? Hast du Liebespein, fehlt's im Beutel oder hat dir jemand den Bogen besprochen? Gib mir etwas von deinem Brot. Wir wollen eins zusammen plaudern. “

Wilhelm reichte ihm verdrießlich das Gebetene, und der Stelzfuß warf sich zu ihm ins Gras. Nach einigem Hin- und Herreden kam das Gespräch auf die Jägerei, und Wilhelm erzählte sein Unglück. Der Invalid ließ sich den Bogen zeigen.

“ Der ist verzaubert “, sagte er, als er ihn kaum in die Hand genommen hatte, “ damit wirst du keinen rechtschaffenen Schuss mehr tun, und ist dir der Zauber recht nach der Kunst gestellt, so geht dir's mit jeder Waffe so, welche du in die Hand nimmst. “

Wilhelm erschrak etwas, und wollte Einwendungen gegen den Hexenglauben des Fremden machen, allein dieser erbot sich zu einer Probe.

“ Uns Kriegsleute “- sagte er - “ ist das nichts Seltenes, und ich wollte dir bis auf den Abend und tief in die Nacht hinein Wunderdinge erzählen. Wie wollten die Scharfschützen zurechtkommen, die sich überall hin wagen, und ihren Mann aus dem dichtesten Zaubernebel heraus schießen, wo ihn kein Mensch sehen kann, wenn sie nicht andre Künste könnten als zielen und loslassen. Da, zum Exempel, hast du einen Pfeil, mit der du sicher treffen sollst, weil sie besondere Tugend hat und allem Hexenwerk widersteht. Versuch' einmal gleich, es wird dir nicht fehlen. “

Wilhelm spannte seinen Bogen und sah sich nach einem Ziel um. Ein großer Raubvogel schwebte hoch über dem Wald wie ein beweglicher Punkt.

“ Schieß den Stößer da oben “, sagte der Stelzfuß. Wilhelm lachte, denn der Vogel schwebte in einer kaum dem Aug' erreichbaren Höhe.

“ Ei, so schieß” - wiederholte jener,” ich verwette meinen Stelzfuß, er fällt. “

Wilhelm schoss, der schwarze Punkt senkte sich, und ein
großer Geier fiel blutend zu Boden.

“ Das sollte dich nicht wundern” - sagte der Invalid zu dem vor Verwunderung sprachlosen Jäger - “ wenn du ein rechter Weidmann wärst. Solche Pfeile zu besitzen, ist noch lange kein Hauptstück in der Kunst und will bloß etwas Geschick und Herzhaftigkeit, weil es in der Nacht geschehen muss und etwas mit Magie zu schaffen hat. Ich will dirs umsonst lehren, wenn wir wieder zusammen kommen, heute muss ich weiter, denn die Erste Sonne geht gleich auf. Versuch' indessen noch ein paar von meinen Pfeilen und nimm einen magischen Samenkern von mir in Verwahrung, du siehst mir immer noch aus, wie halb ungläubig. Auf Wiedersehn! “

Der Stelzfuß gab bei diesen Worten Wilhelm einige Pfeile und einen Samenkern und hinkte weiter. Voll Verwunderung versuchte Wilhelm einen zweiten von seinen Pfeilen, und traf wieder ein fast unerreichbares Ziel; er nahm einen gewöhnliche Pfeil und fehlte das leichteste. Jetzt wollte er dem Invaliden nach, aber dieser war im Wald nicht mehr zu finden, und Wilhelm musste sich mit dem versprochenen Wiedersehen trösten.

Sonntag, 14. September 2014

Würfelwelt 1543

Johann August Apel:
Der Freischütz. Eine Volkssage
Gefunden bei: http://www.goethezeitportal.de/wissen/enzyklopaedie/carl-maria-von-weber/carl-maria-von-weber-freischuetz-illustrationen-von-ramberg.html
Quelle: Gespensterbuch. Hrsg. von Johann August Apel und Friedrich Laun [d.i. Friedrich August Schulze]. Tl. 1. Leipzig : Göschen 1810.

Würfelweltmäßige Bearbeitung von Uwe Vitz


Der Freischütz 3
Erste Ebene vor 306 Jahren

Noch nicht volle vierzehn Tage war Wilhelm als Jägerbursche in dem Försterhause, als Vater Bertram, der ihn mit jedem Tag lieber gewann, die Einwilligung zu seiner Verbindung mit Käthchen förmlich erteilte. Nur sollte die Verlobung geheim gehalten werden bis zum Tage des Probeschusses, wo der Förster durch die Gegenwart des fürstlichen Landjägermeisters seinem Familienfest noch mehr Feierlichkeit zu geben hoffte. Der Bräutigam schwebte in Entzücken und vergaß sich und die ganze Welt in dem offenen Himmel seiner Liebe, so dass ihn Vater Bertram mehrmals neckte, wie er kein Ziel mehr treffe, seit er Käthchen sich erzielt habe.
Wirklich aber hatte Wilhelm von seinem stillen Verlobungstag an ein ganz eignes Missgeschick auf der Jagd. Bald versagte ihm der Bogen, bald traf er statt des Wildes einen Baumstamm. Kam er nach Haus und leerte seine Jagdtasche, so fanden sich statt der Rebhühner Dohlen und Krähen, und statt des Hasens eine tote Katze. Der Förster machte ihm endlich ernsthafte Vorwürfe wegen seiner Unachtsamkeit, und Käthchen selbst fing an, für den Probeschuss bange zu werden.
Wilhelm verdoppelte seine Aufmerksamkeit und seinen Fleiß; allein, je näher der Tag rückte, an welchem er sein Probestück ablegen sollte, desto mehr verfolgte ihn das Unglück. Fast jeder Schuss missriet; endlich fürchtete er sich beinahe, einen Pfeil abzuschießen,, um nicht Schaden anzustiften, denn er hatte schon eine Kuh auf der Weide angeschossen und den Hirten beinahe verwundet.

“ Ich bleibe dabei” - sagte Rudolf, der Jägerbursch, eines Abends - “es hat jemand dem Wilhelm verzaubert, denn mit natürlichen Dingen geht das nicht zu, und den bösen Zauber muss er erst lösen. “

“ Rede nicht so albern - “versetzte der Förster verweisend - “ Zauberei, ha, wir Jäger haben unsre eigene Magie, Zauberer und Schwarzmagier? Davon muss ein guter Jäger gar nicht sprechen. Weißt du nicht mehr, lieber Weidmann mein, welches die drei Stücke sein, die ein geschickter Weidmann haben soll und haben kann? Ho, ho, ho! sag' an! “

Rudolf räusperte sich zum Weidspruch und sprach schnell:

“ Jo, ho, ho, mein lieber Weidmann, das will ich dir wohl sagen an: Gute Wissenschaft, Pfeil, Bogen und Hund, der Weidmann braucht zu seinem Grund, wenn er was Tüchtiges will verrichten, und sich nicht lassen gar vernichten, drum wird das gar wohl treffen ein …”

“ Schon genug “ - fiel ihm der alte Bertram ins Wort -” mit den drei Dingen ist jeder “Zauber” zu lösen, denn der heißt doch meist entweder Faselhans oder Peter Ungeschick. “

“ Mit Gunst, Vater Bertram” - entgegnete Wilhelm etwas verdrießlich - “ hier ist mein Bogen, hier meine Pfeile, den will ich sehn, der mir etwas daran aussetzen soll, und meine Wissenschaft - ich will mich nicht rühmen, aber jagdgerecht denk' ich zu sein, so gut wie ein anderer, gleichwohl ist's, als gingen meine Pfeile krumm, und als blies sie der Wind mir von dem Bogen weg. Sagt mir nur, was ich machen soll, ich will ja gern alles tun! “

“ Es ist wunderlich “ - murmelte der Förster, der nicht wusste, was er sagen sollte.

“ Glaub' mir nur, Wilhelm “ - wiederholte Rudolf - “ es ist nichts anders, als was ich gesagt habe. Geh' einmal am dreizehnten Terz, nachts auf einen Kreuzweg und mache mit einem blutigen Speer oder mit einem blutigen Degen einen Kreis um dich, den segnest du dreimal, wie es der Priester macht, aber im Namen des Fürsten des Bösen. “

“ Schweig! “ - unterbrach ihn der Förster unwillig -
“ Weißt du, was das für ein Fürst ist? Das ist einer der schlimmsten Feinde aller Menschen auf der ganzen Würfelwelt, die Götter mögen uns beschützen. “

Wilhelm machte ein Schutzzeichen und wollte nichts weiter davon hören, wiewohl Rudolf bei seiner Meinung blieb. Wilhelm jedoch sah sich seinen Bogen und all seine Pfeile noch einmal genau an.

Samstag, 13. September 2014

Würfelwelt 1542

Johann August Apel:
Der Freischütz. Eine Volkssage
Gefunden bei: http://www.goethezeitportal.de/wissen/enzyklopaedie/carl-maria-von-weber/carl-maria-von-weber-freischuetz-illustrationen-von-ramberg.html
Quelle: Gespensterbuch. Hrsg. von Johann August Apel und Friedrich Laun [d.i. Friedrich August Schulze]. Tl. 1. Leipzig : Göschen 1810.

Würfelweltmäßige Bearbeitung von Uwe Vitz



Der Freischütz 2
Erste Ebene vor 306 Jahren

“ Ein wackerer Bursch, der Wilhelm! “- rief der Förster freudig, als die Jäger nach Haus kamen -” wer hätt' in dem Federhelden solch einen Schützen gesucht? Nun, morgen sprech' ich selbst mit dem Amtmann, das wär doch jammerschade, wenn der nicht bei der edlen Jägerei blieb! Aus dem wird ein andrer Kuno. Du weißt doch, wer der Kuno war?”

Wilhelm verneinte.

“ Hab' ich dir das noch nicht erzählt “ - fuhr der Förster fort - “ Sieh, das war mein Urältervater, der diese Försterei zuerst besessen und erbaut hat. Erst war er armer Reitersbub' und diente bei dem Junker von Wippach, der konnt' ihn wohl leiden und nahm ihn überall mit sich in Fehden und zu Turnieren und Jagden. Einmal war dieser Junker von Wippach auch bei einer großen Jagd, die der Graf hier hielt mit vielen Rittern und Edeln. Da jagten die Hunde einen Hirsch heran, auf dem saß ein Mensch, der kläglich die Hände rang und jämmerlich schrie, denn das war damals eine tyrannische Weise unter den Jagdherren, dass sie die armen Menschen, oft wegen geringer Jagdfrevel, auf Hirsche schmiedeten, dass sie elendiglich zerstoßen und zerrissen wurden oder vor Hunger und Durst umkommen mussten. Wie der Graf das ansichtig wurde, ward er über die Maße zornig, stellte gleich das Jagen ein und verhieß einen großen Lohn, wenn sich jemand getraute den Hirsch zu treffen, dabei aber drohte er mit Ungnade und Bann, wenn der Schütze den Menschen verletzte, denn er wollte diesen lebendig haben, damit er wüsste, wer sich gegen sein Verbot solcher grausamen Tat erkühnt hätte. Da wollte sich nun niemand unter den Edeln finden, der den Schuss auf des Herrn Ungnade und Bann wagte. Endlich trat der Kuno vor, mein Urältervater, eben der, den du dort auf dem Bilde gemalt siehst, der sprach zum Grafen:


`Gnädigster Herr, wollt Ihr mir's gestatten, so wag' ich's mit dem Waldgott, fehl' ich, so mögt Ihr, wenn Ihr wollt, mein Leben darum zur Buße nehmen, denn Reichtum und Güter hab' ich nicht, aber mich jammert des armen Menschen, würd' ich doch auch mein Leben dran setzen, wär' er unter Feinde oder Räuber gefallen.´

Das gefiel dem Grafen: er hieß den Kuno sein Glück versuchen, wiederholte ihm auch die Verheißung, doch ohne der Drohung zu gedenken, dass er ihn nicht furchtsam machte.
Da nahm Kuno seinen Bogen, spannte ihn in des Waldgottes Namen und befahl dem Pfeil dem Willen des Waldgottes mit einem gläubigen frommen Gebet. So schoss er wohlgemut ohne lang zu zielen in den Wald, und in dem Augenblicke floh der Hirsch heraus, stürzte und endete, aber der Mensch war unverletzt, ohne dass ihm Hände und Gesicht etwas vom Gesträuch zerritzt waren. Der Graf hielt Wort und gab dem Kuno zum Lohn diese Försterei für sich und seine Nachkommen erblich.
Aber von Glück und Geschick ist der Neid niemals weit, das erfuhr auch Kuno. Da waren viele, die seine Försterei auch gern für sich oder einen Vetter von der linken Seite gehabt hätten, die beschwatzten den Grafen, der Schuss wäre mit Zauberei und Teufelskünsten geschehn, weil Kuno gar nicht gezielt, sondern einen Freischuss, der allemal treffen muss, ins Blaue hinein getan hätte, da wurde denn beschlossen, dass von Kunos Nachkommen jeder einen Probeschuss tun muss, eh' er die Försterei bekommt; den kann nun freilich der Landjägermeister, der die Probe abnimmt, schwer und leicht aufgeben. Ich musste damals einem hölzernen Vogel, der an der Stange geschaukelt wurde, den Ring aus dem Schnabel schießen. Nun, bis jetzt hat noch keiner im Meisterschuss gefehlt, und wer einmal als mein Eidam mein Nachfolger wird, muss erst ein braver Jäger sein. “

Wilhelm hatte zu des Försters Freude mit sichtbarer Teilnahme der Erzählung zugehört. Jetzt fasste er lebhaft des Alten Hand und versprach unter seiner Anleitung ein Jäger zu werden, dessen sich Urvater Kuno nicht schämen sollte.

Freitag, 12. September 2014

Würfelwelt 1541

Johann August Apel:
Der Freischütz. Eine Volkssage
Gefunden bei: http://www.goethezeitportal.de/wissen/enzyklopaedie/carl-maria-von-weber/carl-maria-von-weber-freischuetz-illustrationen-von-ramberg.html
Quelle: Gespensterbuch. Hrsg. von Johann August Apel und Friedrich Laun [d.i. Friedrich August Schulze]. Tl. 1. Leipzig : Göschen 1810.



Der Freischütz 1
würfelweltmäßig bearbeitet von Uwe Vitz
Erste Ebene vor 306 Jahren


“ Höre Mutter “ - sagte der alte Förster Bertram in Lindenhayn “ du weißt, ich tue dir gern alles zuliebe, aber den Gedanken schlag dir aus dem Kopf, und bestärke mir auch das Mädchen weiter nicht drin. Schlag's ihr rund ab, so weint sie ihr Tränchen und ergibt sich drein, mit dem langen Trödeln und Hinhalten wird nichts gut gemacht.”

“ Aber Väterchen “ - wandte die Försterin vorbittend ein - “ kann denn unser Kätchen mit dem Amtsschreiber nicht ebenso glücklich leben, als mit dem Jäger Robert? Du kennst den Wilhelm noch gar nicht, er ist so ein braver Mensch, so herzensgut.”

“ Aber kein Jäger “ - fiel der Förster ein. - “ Meine Försterei ist nun seit länger als zweihundert Jahren immer vom Vater zum Sohn vererbt. Hättest du mir einen Jungen gebracht, statt des Mädchens, da möcht` es sein, dem hinterließ' ich meine Stelle, und das Mädel, wenn eins dazugekommen wär', möchte freien, wen es wollte; aber so ... nein! Erst hätt' ich Mühe, Angst und Wege gehabt, dass der Graf meinen Schwiegersohn zum Probeschuss lassen will, wenn er nur sonst ein braver Jäger ist, und nun sollt' ich das Mädel verschleudern? Nein, Mutter Anne, auf den Robert besteh' ich just nicht; wenn er dir nicht gefällt, such' dem Mädel einen andern flinken Jägerburschen aus, dem ich meine Stelle bei Lebzeiten übergeben kann, da wollen wir in Ruhe bei den Kindern unsre alten Tage verleben, aber mit dem Federschützen bleib mir vom Halse. “

Mutter Anne hätte gern noch ein gutes Wort für den Amtsschreiber gesprochen, aber der Förster, der die Kraft der weiblichen Überredungskunst kannte, wollte seinen Entschluss nicht einem wiederholten Angriff aussetzen; er nahm seinen Bogen von der Wand und ging in den Wald.
Kaum war er um die Ecke des Hauses, da steckte Käthchen ihr blondes Lockenköpfchen freundlich zur Tür herein. Ist's gut gegangen, Mutterchen? Ja? - rief sie, und sprang nun munter in das Zimmer und an den Hals der Försterin.

“ Ach, Käthchen, freue dich nicht zu sehr - sagte diese - der Vater ist gut, herzensgut, aber er gibt dich keinem andern als einem Jäger, und davon geht er nicht ab, da kenne ich ihn schon. “

Käthchen weinte und wollte lieber sterben als von ihrem Wilhelm lassen. Die Mutter tröstete und schmähte abwechselnd, endlich weinte sie mit der Tochter. Sie versprach eben, noch einen Hauptsturm auf das Herz des Försters zu versuchen, da klopfte es an der Türe, und Wilhe1m trat herein.

“ Ach Wilhelm “ - rief ihm Käthchen mit verweinten Augen entgegen - “ wir müssen scheiden! Suche dir ein anderes Mädchen, mich sollst du nicht frein und ich dich nicht; der Vater will mich dem Robert geben, weil er ein Jäger ist, und die Mutter kann uns nicht helfen. Aber, muss ich auch von dir lassen, so will ich doch keines anderen sein, und bleibe dein, und dir treu bis zum Tode. “

Mutter Anne suchte den Amtsschreiber, der nicht wusste, was er aus Käthchens Reden machen sollte, zu besänftigen, und erzählte ihm, wie Vater Bertram gegen seine Person gar nichts einzuwenden hätte, aber nur seiner Försterei wegen durchaus darauf bestand' einen Jäger zum Eidam zu haben.

“ Ist es weiter nichts “ - sagte Wilhelm beruhigt und drückte das weinende Mädchen an seine Brust - “so sei gutes Mutes, liebes Käthchen. Ich bin der Jägerei nicht unkundig, denn ich habe bei meinem Ohm, dem Oberförster Finsterbusch, in Lehre gestanden, und musste nur meinem Paten, dem Amtmann, zuliebe den Bogen mit dem Schreibpult vertauschen. Was hilft mir die versprochene Amtmannsstelle, soll ich mein Käthchen nicht als Frau Amtmannin in das Amtshaus einführen? Willst du nicht höher hinaus als deine Mutter, und ist dir der Förster Wilhelm so lieb wie der Amtmann, so tausch' ich gleich, denn mir ist das lustige Jägerleben immer viel lieber gewesen als das steife Leben in der Stadt. “

“ Oh, du lieber, goldner Wilhellm “ - rief Käthchen, und alle Wolken waren von ihrer Stirn verschwunden, und nur ein glänzender Sonnenregen der Freude zitterte in ihren Augen - “willst du das, so sprich recht bald mit meinem Vater, eh' er vielleicht gar dem Robert sein Wort gibt. “

“ Wart, Käthchen “- sagte Wilhelm, “ ich geh' ihm gleich nach in den Wald. Er ist gewiss nach dem Hirsch, der morgen in das Amt geliefert werden soll. Gib mir Pfeil und Bogen, ich such' ihn auf, stelle mich ihm mit einem Jägergruß vor und biete ihm gleich meine Dienste als Jägerbursch an. “

Mutter und Tochter fielen ihm um den Hals, halfen den neuen Jäger, so gut sie konnten, aufputzen, und sahen ihm mit Hoffnung und Bangigkeit in den Wald nach.

Donnerstag, 11. September 2014

Würfelwelt 1540

Hallo!

Manchmal benutze ich die Werke von vor über 70 Jahren Verstorbenen für die Würfelwelt.
So kann ich den Lesern Perlen servieren, welche sich von unserem heutigen Schreibstiel und meinen eigenen Storys unterscheiden.

Dabei passt die Story sehr gut zu “ Der Fürst des Bösen und sein Stellvertreter”.
Hier könnt ihr lesen, was Zabaron im Auftrag des Fürsten des Bösen in dieser Zeit so z. B gemacht hat.
Allerdings aus der Sicht eines seiner Opfer.

Deshalb Vorhang auf für den Freischütz von Johan August Apel und Friedrich Lau.
Carl Maria von Weber hat nach dieser Story seine berühmte, romantische Oper geschrieben.
Hier einige Links dazu

de.wikipedia.org/wiki/Der_Freischütz

www.youtube.com/watch?v=of9SFcgQxBw

www.youtube.com/watch?v=6JevBZPnNWo



Viel Spaß und Vorhang auf für “ Der Freischütz”

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